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Dienstag, 16. Oktober 2007

Freie Liebe und Hasch-Kuchen

Bennie verliebt sich auf einer Demonstration Ende der 60er Jahre Hals über Kopf in die schöne Luzi. Blöd nur sind die Umstände: Während er eine Ausbildung zum Polizisten durchläuft und auf der Demo die rebellische Jugend filmen soll, ist Luzi Verfechterin der freien Liebe und Anführer der Demo. Um sie kennen zu lernen lügt Bennie, er sei Student der Filmhochschule und drehe einen Film über die Jugendbewegung. Diese Lüge wird glaubhaft, als er tatsächlich beginnt, einen Film zu drehen. Allerdings nicht über die Jugendbewegung. Um seinem Dauerpleite Bruder aus der Patsche zu helfen verspricht Bennie, einen Sexfilm zu drehen. Der organisatorisch begabte Bruder besorgt das Geld, Schauspieler und Crew. Beim Dreh läuft jedoch alles schief. Die Hauptdarstellerin Gina spricht nicht nur kein Deutsch - sie weigert sich auch, sich auszuziehen. Die schönsten Szenen sind deshalb, wenn Gina die Speisekarte eines Restaurants auf Italienisch hoch und runter schreit und weint und stöhnt. Die Hauptdarstellerin des Films wurde nämlich durch häufiges Nähen mit der Nähmaschine zur Nymphomanin. Deshalb auch der Untertitel von Pornorama "Die Bekenntnisse der mannstollen Näherin Rita Brauchts." Das große Geheimnis, ob Bennie seine Karriere als Polizist beendet und ob er am Ende Luzi erobern kann - das wird natürlich nicht verraten.
Jedenfalls ist der Film unterhaltam, amüsant und nach einem harten und stressigen Arbeitstag (nicht dass ich den grad hätte) genau das richtige, um gute Laune zu kriegen. Das liegt auch an der Musik..."My Generation", "Tonite's The Nite" und vieles mehr..

Planet Terror

Das wochenlange Warten hat sich gelohnt. Nachdem Death Proof, der erste Teil des Doppel-Features "Grindhouse" eher enttäuschend war, erwartete ich voll Freude den Film von Robert Rodriguez: "Planet Terror".
Ein absolutes Muss, schließlich habe ich in meiner Master-Arbeit den Titel schon zitiert. Bedauerlicherweise kommt Grindhouse in Deutschland nicht als Grindhouse ins Kino, die beiden Filme sind getrennt. In den USA kamen die beiden Filme hintereinander, durch Trailer zu nicht vorhandenen Filmen verbunden. Dieses Konzept übernahmen Rodriguez und Tarantino aus den Schmuddel-Kinos der 40-50er Jahre, Grindhouse genannt. HIer wurden 2 oder 3 (natürlich Trash-) Filme eines Genres zum Preis von einem gezeigt. Da die Regisseure jedoch mit ihrem Double-Feature in den USA scheiterten, wird dem Kinogänger in Deutschland dieses Kinoerlebnis verwehrt.
Besonders schade ist, dass dadurch nicht alle Trailer im Kino zu sehen sind. Aber zum Glück gibt es Youtube. Die Trailer sind schließlich sehr sehenswert...
Im Trailer zu "Don't" erfährt der Zuschauer, was er unterlassen sollte, wenn er überleben will. In "Machete" hat nicht einmal der Priester Gnade ("God has mercy. I don't"). "Werwolfe woman of the SS" - sagt eigentlich schon alles. Bei "Thanksgiving" kann man die Lust am Knutschen und Rummachen im Freien verlieren...
Nun aber zu Planet Terror. Die Handlung: Ein Giftgas namens DC2 macht die Menschen zu Zombis. Das Giftgas ist in den Händen einer Militärgruppe, die selbst vergiftet wurde, aber eine Möglichkeit gefunden haben, die zerstörerische Wirkung des Gases zu verlangsamen. Eine kleine Gruppe, bestehend aus dem Mann mit dem besten Steaks in ganz Texas, dem Sherrif, einer sexy Ärztin und zwei aggressiven Babysitterinnen, versucht, die Katastrophe aufzuhalten. Angeführt werden sie von dem rätselhaften El Wray und der (in der Mitte des Films) einbeinigen Ex-Tänzerin und jetzt Stand-up Komikerin Cherry Darling.
Das Ganze ist ein herrlich trashiger Zombie-Film mit viel Blut und Schleim, einem hohen Ekelfaktor, Sex und herrlich überzogenen Dialogen. Dass die Handlung seicht - um nicht zu sagen idiotisch ist, macht da nichts. Wer schlechtes Kino mag und sich über literweise Blut und zerplatzende Köpfe amüsieren kann, ist in der Trash-Hommage Planet Terror richtig. Für besonderes Vergnügen sorgt, wie im Trailer vermuten lässt, die einbeinige Cherry.
Es lebe der Trash!
PS: Wer danach immer noch nicht genug hat, dem empfehle ich "Plan Nine from outer Space", dem schlechtesten Film aller Zeit.

Mittwoch, 2. Mai 2007

Intrigen und mehr

Am Donnerstag war ich ja glückliche Gewinnerin von zwei Kinokarten: Fluch der Goldenen Blume von Zhang Yimou. Da muss ich doch hin, der war doch auch mal beim Filmfestival dabei...und ich hab die Lobeshymne über ihn korrigiert. Muss also ein guter Film sein – trotz Verriss im Spiegel. Pünktlich stand ich dann auch eine halbe Stunde vorher da, um die Karten abzuholen. Worum geht’s?

China im Jahr 928, späte Tang-Dynastie. Ein Kaiser, der seine Gattin mittels einer Medizin vergiften will, eine Gattin, die nicht den Kaiser, sondern ihren eigenen Stiefsohn liebt. Der Stiefsohn wiederum liebt eine Bedienstete, die nicht nur seine Halbschwester ist, sondern auch diejenige, die der Kaiserin den giftigen Trank verabreicht. Achja, dann gibt es noch die beiden „richtigen“ Söhne der Kaiserin, ein Kämpfer und naiv wirkender Jüngling. Soweit grob zur Konstellation. Es gibt wohl ein chinesisches Sprichwort, das auf diesen Film zutrifft: „Eine Fassade aus Gold und Jade, aber darinnen krabbeln die Spinnen“.
So ist es dann auch. Sowohl die Kaiserin Mutter stellt eine Armee auf, um den ungeliebten Gatten loszuwerden, als auch der Kaiser selbst – selbst der Jüngling mischt noch mit. Alle gegen alle also? Ja, mehr oder weniger schon. Jedenfalls prägen den ersten Teil des Films vor allem die „opulenten“ Bilder: Alles voller Gold, Blumen und schönen Frauen mit freizügigen Dekolletés (einige KP-Funktionäre sollen auch das Dekolleté von Gong Li, der Kaiserin, als „unanständig aufreizend“ bezeichnet haben). Im zweiten Teil beginnt dann das Gemetzel, indem die Armeen von Kaiser und Kaiserin gegeneinander ankämpfen. Man sitzt im Kino und fragt sich: Können die Probleme nicht anders gelöst werden?? Anstatt einfach den Gatten im Schlaf zu ermorden wird eine Schlacht inszeniert – und das Drama spitzt sich mehr und mehr zu. Am Ende ist nicht nur der Geliebte der Kaiserin tot, sondern auch seine leibliche Mutter, seine (von ihm geliebte) Halbschwester, der verbündete Sohn der Kaiserin und der unterschätzte Jüngling. Trotz dem vielen Blutvergießen und den durchaus tragischen Geschichten – ein echtes Miterleben kommt nicht auf. Während der tragischsten Momente lachte das ganze Kino, so übertrieben ist die Darstellung. Ansonsten dümpelt die Geschichte vor sich hin und bietet keine wirklichen Spannungsmomente – aber immerhin gibt es einige Lachmomente, auch wenn diese von Zhang Yimou wohl nicht so beabsichtigt waren.

Etwas jedoch kann man aus dem Film lernen: Eheprobleme sollte daheim gelöst werden, sonst gibt’s nur Ärger!!

Sonntag, 18. März 2007

Alice im Schreckensland - Pans Labyrinth

Es war einmal unter der Erde, da träumte eine Prinzessin von einer menschlichen Welt…“.
Spanien 1944. Der Bürgerkrieg ist vorbei, doch republikanische Partisanen kämpfen weiterhin gegen Francos Faschisten.
Die junge Ofelia liest gerne Märchen, ist voller Fantasie, träumt gerne und will ihrer grausamen Umwelt entfliehen. Die Mutter ist das Gegenteil. Sie ist illusionslos geworden und versucht, mit der Welt im Hier und Jetzt zurecht zu kommen. Nach dem Tod ihres ersten Mannes heiratet sie einen Hauptmann, einen grausamen Faschisten der an einem der Außenposten stationiert ist. Als Ofelias Mutter schwanger wird, lässt er Mutter und Ofelia zu sich kommen. In der Gottesanbeterin, die Ofelia während der Reise entdeckt, sieht Ofelia eine Fee.
Und dann beginnt die Reise in eine phantastische Welt. Die Fee führt Ofelia in Pans Labyrinth. Pan wird zu einer Art Mentor für Ofelia, er ist ein unheimliches und geheimnisvolles Wesen, dem man nicht immer gehorchen sollte. Er erklärt Ofelia, sie sei eine Prinzessin. Eine Prinzessin der Unterwelt. Um in ihr Reich zurückzukehren, müsse sie drei Aufgaben bewältigen. Die Aufgaben sind gefährlich, Ofelia wird immer mehr Teil der Fanasiewelt voller Fabelwesen: Gute Feen und böse Ungeheuer. Obwohl diese fantastische Welt grausam ist, ist Ofelia davon hingezogen. Schließlich ist die Realität noch schlimmer. Der Hauptmann foltert und tötet Partisanen, die Mutter stirbt bei der Geburt des Kindes und schließlich wird auch Ofelia selbst noch vom bösen Stiefvater misshandelt.
Ofelias Märchenwelt ist jedoch keine reine Phantasiewelt - sondern eine fantastische. Der Film präsentiert die beiden Welten als zwei Dimensionen einer Welt. So scheint die Phantasiewelt auch Einfluss zu haben auf die Realität: Der Pan gibt Ofelia eine Alraune-Pflanze, die der kranken Mutter helfen soll. Und wirklich hat die Pflanze eine Besserung zur Folge - bis der Vater sie entdeckt und verbrennt. Und auch die reale Welt kommt nicht zu kurz, die Schrecken und die Hoffnungen werden ebenso dargestellt wie die rätzelhafte Märchenwelt.
Meine Meinung: Ein wunderschöner, phantastischer Film, der mit viel Liebe gemacht wurde und, emotional und berührend . Auch wenn einige Szenen sehr brutal sind - es ist doch die Realität, die dargestellt wird. Traurig schön bis zum Schluss.
Toll in der Hauptrolle Ivana Baqero als Ofelia. Die drei Oscars für "beste Ausstattung", "beste Maske" und "beste Kamera" sind absolut gerechtfertigt.
Ein Film, bei dem sich lohnt ins Kino zu gehen (oder in irgendwann mal noch mal mit Beamer daheim angucken...)
Epd-Film sagt: Ein Werk, von dem man mit Gewissheit sagen kann, dass es nicht nur zu den bleibenden Werken des Jahres, sondern dieser Dekade gehört.
Ich sage: Stimmt!

Dienstag, 13. Februar 2007

Antidrogenfilm der MTV-Generation

Regen, Regen, Regen. Da kann man ja nichts anderes machen, als einen kleinen Spaziergang zur Videothek des Vertrauens. Weil das Fernsehprogramm ja auch nichts bietet. Vor allem nicht Montag Abend. Den schlechtesten Film aller Zeiten hab ich ja auch schon angeguckt...ein Meisterwerk des Trash. Auszüge aus der Kritik:
"Ed Wood war ein Visionär, ein Idealist und vor allem ein Träumer. Für ihn zählte nur der “Film als Gesamtwerk”, Kleinigkeiten, wie z.B. umfallende Kulissen oder Schauspieler, die unvorsichtig die Kulissen rammten, spielten keine Rolle. "
Wunderbar zum Schlafen. Aber heut sollte es ein richtig guter Film sein. Nach einigem Stöbern fiel der Blick auf "Requiem for a dream" von Darren Arronofsky (The Fountain).
Worum gehts?
Im Blick vier gescheiterte Existenzen, Mutter, Sohn dessen Freund und Freundin. Hauptperson: Die Sucht.
Der Film behandelt die Gefahren von Drogenkonsum, ohne mit dem Zeigefinger darauf zu zeigen und verzichtet angenehmerweise auf ein moralisches Urteil.
Die Einnahme der Drogen wird in schnellen Schnittsequenzen dargestellt, ebenso wird der Rausch mittels visueller Effekte perfekt dargestellt. Die Charaktere wirken "echt" und menschlich und nicht wie Leinwandfiguren. Der Film ist dramatisch, ohne auch nur das kleinste bißchen rührselig zu sein.
"Requiem" ist ein Film, der einen nicht so schnell loslässt und der einem noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Er hebt sich ab vom Mainstream und ist kein Film, den man "mal anguckt". Besonders der Soundtrack besticht, überlaute Geräusche, Orchestermusik - und das in Verbindung mit der außergewöhnlichen visuellen Gestaltung und der schnellen Montage.

Wer Lust hat auf einen außergewöhnlichen Film, der anders ist als herkömmliche Hollywood-Filme, dem kann ich den Film nur empfehlen. Mich wird dieser Film jedenfall nicht so schnell loslassen